World of Tanks Test: Geld ist nicht alles, Taktik schon

Panzer üben sowohl auf Jungs als auch auf Männer von jeher eine gewisse Faszination aus. Schließlich dürfen wir in ein solches Stahlmonstrum noch seltener einen Blick werfen als in ein Flugzeugcockpit. Publisher Wargaming hat diese Problematik erkannt und daher im vergangenen Jahr die taktische Panzersimulation World of Tanks auf den Markt gebracht. Welches Phänomen sich daraus schließlich entwickelte, überstieg wohl selbst die kühnsten Erwartungen der Entwickler, denn mitteilerweile tummeln sich über 25 Millionen Spieler in der Welt der Kettenfahrzeuge. Auch wir haben uns auf die Suche nach den Gründen für den Erfolg gemacht. Ob wir fündig geworden sind oder nicht, könnt ihr hier selbst nachlesen.

Panzerfahren, der Traum kleiner Jungs und großer Männer

Wir schlüpfen in World of Tanks selbst in die Haut eines wagemutigen Panzerfahrers. Einer stringenten Handlung folgen wir nicht. Grob gesagt gibt es eine Ausgangssituation, in der wir uns befinden: Der Zweite Weltkrieg tobt. Wir können uns aber weder für eine Seite entscheiden noch in irgendeiner Weise den Ausgang des Krieges bestimmen; zumindest nicht auf den ersten Blick. Stattdessen wirkt es eher so, als ob wir ein Söldner wären, der an einen deutschen, amerikanischen, französischen oder sowjetischen Panzer gekommen ist. Ein Exemplar aus jeder Armee steht nämlich in unserer Garage, dem Ausgangpunkt für alle Handlungen, und wartet darauf, über das Schlachtfeld gejagt zu werden. Die Wahl des Panzers spielt zunächst keine Rolle, da alle Vehikel in der Grundform relativ ähnlich sind. Es kommt also auf unsere eigenen Vorlieben an, mit welchem Modell wir in den Krieg ziehen wollen.

Auf dem offenen Feld ohne Deckung segnet ihr schnell das Zeitliche.

Wir kämpfen, aber für wen eigentlich?

Als Basis für unsere Operationen in World of Tanks dient eine militärische Garage. Von dort aus können wir neue Module für unseren Panzer kaufen, Munition auffüllen, Forschung betreiben, neue Crewmitglieder anheuern, uns einem Clan anschließen oder mit Freunden einen Zug bilden. Gleichzeitig führen wir von unserer Basis aus Gespräche mit anderen Spielern für die nächste Schlacht. Nach einem Kampf lassen wir unseren Panzer hier reparieren, was gerade in der Anfangszeit sehr häufig vorkommt. Ein kleines Tutorial erklärt uns die ersten Schritte, die nötig sind, um in die Schlacht zu ziehen. Außerdem stauben wir dabei ein wenig Erfahrung und Geld ab. Vor der ersten richtigen Auseinandersetzung gibt es allerdings nicht viel zu tun. Wir stehen vor der Wahl, Trainingskämpfe zu bestreiten oder direkt ins Gefecht zu starten. Bei Trainingskämpfen ist zu beachten, dass sie zwar keine Erfahrung bringen, dafür jedoch Munition und Wartungsarbeiten nicht bezahlt werden müssen. Nach längerer Spielzeit wird sich immer mehr herauskristallisieren, dass das Training besser für Gruppen geeignet ist, die ihre taktischen Fähigkeiten im Kampf verbessern möchten. Daher stürzen wir uns vorerst allein und direkt ins Gefecht.

Panzer sind nicht wendig, aber durchschlagskräftig

Die Spielmechanik in World of Tanks erinnert etwas an einen handelsüblichen First-Person-Shooter, aber nur fast. Ein Panzer ist äußerst träge, vor allem in der Grundausstattung, in der wir mit ihm kämpfen müssen. Trotzdem rollen wir mit unserem Schlachtkoloss Richtung gegnerische Basis. Bei einer einfachen Schlacht gibt es zwei primäre Ziele. Entweder erobern wir den Stützpunkt des Gegners oder wir eliminieren alle feindlichen Panzer. Darüber hinaus dürfen wir uns noch in den Spielmodi "Begegnungsgefecht" und "Angriff" beweisen. Im "Begegnungsgefecht" kämpfen zwei Teams um die einzige Basis auf der Karte. Beim "Angriff" kämpft das attackierende Team gegen eine Gruppe von Verteidigern. Ziel ist es, die Basis der Verteidiger einzunehmen. Klingt im ersten Moment nicht schwer. Hitzige Zeitgenossen müssen aber umdenken. Einen Panzer zu steuern ist doch etwas anderes als als agiler Soldat über die Karte zu rennen. Die Entwickler von Wargaming haben peinlich genau darauf geachtet, dass die Panzer und das Gameplay authentisch wirken und über ein Maß an Realismus verfügen, von dem sich andere Spiele eine Scheibe abschneiden können. Das hat jedoch zur Folge, dass wir nicht einfach blindlings drauf losstürmen sollten. Stattdessen ist taktisches Vorgehen gefragt. Deckung und Tarnung im Schutz von Büschen, Felsen oder Häusern ist das oberste Gebot, gerade für nicht ausreichend geschützte Panzer. Zudem trifft es sich leichter, wenn der Panzer steht.

Rommel statt Rambo

Die Schlachten laufen dementsprechend auch sehr gemächlich ab. Hier wird um eine Deckung gelugt, da ein Panzer erspäht oder einem Kollegen Feuerschutz gegeben. Wer sich einer Gruppe anschließt, wird schnell feststellen, dass unterschiedliche Panzertypen, die im Verband fahren, sich gegenseitig unterstützen. Das ist in jedem Fall besser als allein sein Glück zu versuchen. Die verschiedenen Panzerarten, sofern diese erforscht und gekauft wurden, erfüllen alle ihren Zweck. Leichte Panzer dienen der Aufklärung, während mittlere Panzer für die nötige Feuerkraft im Frontalangriff sorgen. Schwere Panzer hingegen oder Selbstfahrlafetten sind eher dazu da, aus der Ferne zu agieren, genau wie Jagdpanzer. Bevor wir allerdings in den Genuss kommen, weitere Panzer befehligen zu dürfen, benötigen wir die liquiden Mittel zum Kauf. Für jede geschlagene Schlacht erhalten wir Erfahrungspunkte und Geld, was wir beides für neue Panzer und die Forschung einsetzen.

Unwegsames Gelände erfordert taktisches Vorgehen.

Besatzung, antreten! Es gibt Schokolade für alle.

Die Forschung beschert uns neue Module, sprich: eine bessere Ausrüstung für unseren Panzer. Gerade am Anfang müssen wir nämlich vor allem als Kanonenfutter für fortgeschrittene Spieler herhalten. Eine Art Welpenschutz gibt es nicht. 'Friss oder stirb' lautet die Devise bei World of Tanks. Also besteht unser wichtigstes Ziel darin, unseren Panzer soweit aufzuwerten, dass wir konkurrenzfähig sind und uns gegenüber anderen Spielern behaupten können. Was hier sprachlich so schnittig daherkommt, ist im Spiel selbst leider nicht so einfach. Unser mühsam erarbeitetes weniges Geld, das wir bekommen, wandert zu großen Teilen in die Wartung und den Munitionskauf. Nach jedem Gefecht muss unser Panzer wieder zusammengeflickt werden und das geht mitunter ordentlich ins Geld. Damit stecken wir in einem kleinen Teufelskreis, der sich leider nur mit Geduld aufbrechen lässt, wenn wir kein echtes Geld investieren wollen. Da hilft es auch wenig, wenn wir in den stattfindenden Turnieren oder Clankriegen ein wenig Gold gewinnen, das wir gegen In-Game-Geld tauschen dürfen. Außerdem fressen die zusätzlichen Items, sofern wir sie uns überhaupt leisten können, weitere Löcher in die Geldbörse. Bei Bedarf versorgen wir zusätzlich unsere Panzer-Besatzung mit Gegenständen und Items, wie zum Beispiel moralstärkender Schokolade oder wir lassen die Mannschaft parallel zur Forschung ausbilden. 22 Fähigkeiten für die Besatzung gibt es insgesamt, so dass wir, je nach Panzerart, unser Team sehr speziell ausbilden können.

Ein grüner Panzer im Gras ist schwer zu entdecken.

Europa, wir kommen und zwar nicht allein!

Über kurz oder lang geht beim autarken Kämpfen allerdings die Motivation flöten. Daher haben wir uns ein paar Freunde gesucht und sind als gemeinsamer Zug in den Kampf gezogen. In diesem Fall war es auch endlich möglich, eine gezielte Taktik zu verfolgen. Beim normalen Gefecht scheint sich meist jeder selbst der Nächste zu sein. Aber jetzt ziehen alle an einem Strang. Die leichten, schnellen Panzer klären das Gebiet auf und entlarven die Positionen der feindlichen Panzer, während die schweren Geschütze mit einem Speerfeuer unserer Angriffswelle Deckung geben. Hier zeigt sich das Potenzial des Titels zum ersten Mal in seiner vollen Blüte. Richtig spannend wird es aber in den Clankämpfen. Neben dem Kampfanteil spielt nämlich in diesem Modus auch die strategische Planung und das Diplomatiegeschick der Spieler eine Rolle. Auf einer Europakarte werden die Züge vor den Gefechten geplant, um an strategisch wichtige Punkte zu gelangen, die umfangreiche Ressourcen versprechen. Im Idealfall ist das ein Gebiet, in dem sich viel Gold abschöpfen lässt. Außerdem werden unsere Fortschritte in einer internationalen Rangliste festgehalten, was zusätzlichen Ansporn verleiht. Aber nicht nur kriegerische Handlungen sind in diesem Fall wichtig, auch Verhandlungen mit anderen Spielern sind notwendig, wenn wir nicht an drei Fronten gleichzeitig kämpfen wollen.

Die Idylle trügt. Gleich wird hier alles in Schutt und Asche liegen.

Geld ist nicht alles, die Technik ist entscheidend

Im Zuge unserer Testphase haben wir natürlich auch keine Kosten und Mühen gescheut. Mit einem voll aufgerüsteten Panzer aus den höheren Klassen sind wir ebenfalls in die Schlacht gezogen. Dabei brannte uns eine Frage besonders unter den Nägeln: Wie sehr wirkt es sich aus, wenn ordentlich Schotter in das Spiel gesteckt wird? Wir sind sowohl mit einem Premium-Panzer als auch mit einem normalen schweren Boliden losgezogen und haben unser Glück versucht. Eines haben wir dabei schnell festgestellt: Mit einem besseren Panzer steigt auch der Schwierigkeitsgrad an, so dass es eigentlich kaum einen Unterschied macht, ob wir mit einem schlechten oder besonders guten Panzer unterwegs sind. Wer das Spielprinzip nicht verstanden hat, sieht auch hier kein Land. Da hilft auch keine überlegene Panzerung oder eine erhöhte Nachladegeschwindigkeit. Ohne Taktik segnen wir schneller das Zeitliche als uns lieb ist. Also heißt es wieder: Behutsames Vorgehen und Abwarten statt Vollgas und Ballern. Zumal die meisten Gegner auf europäischen Servern sich nicht in höhere Gefilde eingekauft haben, sondern sich duch Technik und Erfahrung dorthin gespielt haben. Die Tatsache, dass die Wartung des Panzers nicht mehr ganz so stark am Geldbeutel nagt, macht sich als Premium-Spieler positiv bemerkbar. Wer also darauf steht, in schicken Panzern umherzufahren und nicht lange warten möchte, muss wohl oder übel ein wenig Geld investieren.

World of Tanks Bewertung

Pro
Enorm große Panzerauswahl
Hoher Realitätsgrad
Taktisch nutzbare Umgebung
Detailliert animierte Panzer
22 Fähigkeiten der Besatzung
Erfahrung wichtiger als Geld
Thematisch passende Musik
Contra
Einstieg für Anfänger schwer
Levelaufstieg dauert lange
Vielleicht etwas zu realistisch

4/5 Sterne

Wertung:

  • Grafik: 80 von 100
  • Sound: 82 von 100
  • Einstieg/Handling: 70 von 100
  • Abwechslung/Spielspaß: 77 von 100
  • Originalität: 65 von 100

Gesamt: 75 von 100

Fazit

Es dauert eine Weile, bis World of Tanks richtig in die Gänge kommt. Aber wenn der Panzer erst einmal rollt, macht die Action wirklich Spaß. Anfänger sollten daher eine Menge Geduld mitbringen und ziemlich frustresistent sein. Wir mussten in unserem Test etwas umdenken, was den eigentlichen Spielablauf angeht. Statt wild in die Schlacht zu stürmen ist behutsames und vor allem überlegtes Vorgehen gefragt. Den Entwicklern ist die Gratwanderung zwischen bezahlten Inhalten und kostenlosem Spielspaß durchaus gelungen. Wer möchte, bezahlt etwas Geld, aber ohne die notwendige Kampferfahrung ergeben sich daraus keine großen Vorteile. Nachdem wir das verinnerlicht haben, erwartet uns eine realistische Panzersimulation mit schicker Optik. Denn die Grafik ist wirklich gelungen. Umgebungen sowie Panzer sehen sehr authentisch aus und sind detailreich animiert. Streckenweise ist die Umgebung auch zerstörbar, so dass wir mitten in der Schlacht mit neuen Situationen konfrontiert werden und umdenken müssen.

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