Path of Exile: Feiner Hack’n’Slay-Leckerbissen für Bluthungrige

Euer Weg in diesem Hack’n’Slay wird von Leichen gepflastert sein “ schrieb einst mein Kollege in einer Video-Beschreibung zu Path of Exile. Insgeheim habe ich die Beschreibung für total übertrieben und Nico für verrückt gehalten, doch natürlich hatte der feine Herr Recht. Die ersten Minuten reichen nämlich aus, schon liegen unzählige Leichen in der Gegend herum. Andere wiederum ähneln Schaschlikspießen, von denen rote Sauce heruntertropft. Ab und zu auch eine Zwiebel in Form von Gedärmen. Ja, Path of Exile ist tatsächlich blutig. Äußerst blutig. Doch was bietet der Titel außer Leichen eigentlich sonst noch? Jahrelang war das Spiel in Entwicklung. Bereits im Januar hat Anna einen Blick auf den Free-to-Play-Titel geworfen und 87 von 100 möglichen Punkten für die Klick-Orgie vergeben. Zuviel? Wer weiß …nach dem Release des Spiels vor wenigen Wochen ist es für uns erneut an der Zeit, einen Blick auf Path of Exile zu werfen.

Der erste Schlag sitzt – Autsch!

Regnerisch startet unsere Monster-Metzel-Karriere in Path of Exile. Bevor wir im Spiel loslegen, steht natürlich die Charakterwahl an. Und die beeindruckt! Nach wie vor stehen uns zunächst sechs Charaktere im Exil zur Auswahl, die wir durch drei Akte führen dürfen: Witch, Duelist, Templar, Shadow, Marauder und der Ranger – jeder mit einer passenden Waffe und Stimme, schicken Animationen und einer individuellen Hintergrundstory ausgestattet. Neben den anderen eher schmächtigen Charakteren sticht der monströse Marauder heraus. Außerdem wirkt der Herr leicht verwirrt, so wie er sich die Waffe gegen seinen Schädel hämmert. Auch seine Vorstellung überzeugt, denn der Marauder stellt sich wie folgt vor:

Mit so einem Über-Krieger dürfte eigentlich nichts schief gehen, oder?

Übrigens: Zum Launch des Spiels am 23. Oktober hat Grinding Gear Games eine weitere Klasse vorgestellt: Scion. Die deutlich stärkeren Zombie-Zerleger sind aber nicht von Anfang an verfügbar. Erst nach dem Durchspielen von Path of Exile und auch nur, wenn es dem Spieler gelingt, im Kapitel Sceptre of God die Scion vor den Dämonen zu schützen, können wir auf die neue Klasse zurückgreifen. So weit sind wir aber noch lange nicht.

Also zurück zum Marauder: Mit ihm stürzen wir uns in die düstere Welt von Path of Exile, stranden gleich in der Zone Twilight Strand. Erste Zombies fallen über uns her, schnell schnappen wir uns ein Treibholz und knüppeln los. Aua, aua. Die Monster im ersten Gebiet sind locker zu besiegen. Lediglich für das halb zerfetzte Ungetüm Hillock müssen wir zwei, drei Hiebe aufwenden, um ihn aus den Socken zu hauen.

Groß aber harmlos, der Hillock.

Wenn das geschafft ist, begeben wir uns über ein Portal in die Stadt. Aber halt …fehlt hier nicht was? Eine Art Tutorial vielleicht? Zwar finden wir mal hier, mal da einen Hinweis; grundsätzlich schlagen wir uns nach dem Prinzip Learning by Doing durch. Das fällt anfangs aber auch gar nicht negativ auf, denn die Steuerung ist simpel und aus anderen Genre-Vertretern gut bekannt – und das nicht nur für geübte Zocker. Per Mausklick schlagen wir eine bestimmte Richtung ein, ein erneuter Mausklick auf den Gegner bringt unseren Charakter zum Ausholen und über die Tastatur setzen wir Special-Attacken ein, die zwar Mana verbrauchen, dafür dem Gegner umso weniger gefallen.

Spannungsgeladene Action in schicker Grafik

In der Stadt Lioneye’s Watch angekommen, treffen wir auf die ersten NPCs, die uns mit Aufgaben versorgen und dabei das eine oder andere Mal zu viel quasseln. Besonders außergewöhnlich oder überraschend sind die Quests zwar nicht, dafür sorgt die Karte von Wraeclast, die wir nach und nach aufdecken, für Abwechslung. Kein Gebiet gleicht dem anderen, aus dem Hinterhalt überraschen uns überall lahme aber besonders hungrige Zombies, Kannibalen, Skelette und andere blutrünstige, mythische Geschöpfe. Panisch laufen wir den Kreaturen immer wieder davon, nur um erneut festzustellen, dass an der nächsten Ecke die nächste Horde auf uns lauert und wir damit nun eine mindestens doppelt so große Meute beseitigen müssen. Die Spannung ist kaum auszuhalten! Klingt ironisch, ist aber tatsächlich ernst gemeint. Zwar verschwinden ab und zu Gegner wie von Geisterhand, doch spätestens zwei Meter weiter stehen reichlich Alternativen bereit.

Für actionreiche Monstermetzelei in den ersten Stunden von Path of Exile haben die Entwickler allemal gesorgt - zulasten der Maus. Die Macher des Hack’n’Slay-Abenteuers haben aber nicht nur viel Arbeit in die Gestaltung der vielfältigen Gegner gesteckt, denn Liebe zum Detail steckt auch in den Gebieten. Allein in Akt 1 wildern wir durch unterschiedlichste Gebiete, die Abwechslung pur fürs Auge bieten:

Ja, nett anzusehen ist Path of Exile allemal. Vorausgesetzt, ein Spieler kommt mit Blutlachen und Gedärmen gut zurecht, ansonsten lässt der flaue Magen nicht lang auf sich warten. Allein müssen wir uns ebenfalls nicht durchschlagen: Vom Chat über das Gildenfeature bis hin zur Möglichkeit, mit anderen Spielern gemeinsam auf Monsterjagd zu gehen, ist alles dabei, was das Hack'n'Slayer-Herz begehrt. 

Eingeschränkte Charakterauswahl, unbegrenzte Individualisierungsmöglichkeiten

Gut, in Path of Exile stehen uns nur sechs beziehungsweise nach dem Durchspielen sieben Charaktere zur Auswahl. Doch das reicht vollkommen aus, denn Grinding Gear Games gibt uns unglaublich viele Individualisierungsmöglichkeiten an die Hand. Aber keineswegs welche, mit denen wir das äußere Erscheinungsbild unseres Abenteuerlustigen anpassen können - von den unterschiedlichen Ausrüstungsitems einmal abgesehen. Schade eigentlich, dafür aber werkeln wir im Inneren unseres Helden: Wer schon einmal einen Blick auf Path of Exile geworfen hat, der hat beim Anblick des Skill Trees sicherlich geschluckt.

Kein Witz. Der Skill Tree sieht tatsächlich so aus.

Bei dieser Auswahl an passiven Skills wird es wohl kaum einen anderen Marauder geben, der unseren Weg wählt. Darüber hinaus hält das Inventar viele Optionen für uns bereit. Ausrüstungsitems können mit bestimmten Gegenständen verbessert werden. Auf diese Weise gewinnen wir an aktiven Skills hinzu – praktisch und simpel, auch wenn wir viel Zeit dafür aufwenden müssen. Nicht immer ist es auf den ersten Blick ersichtlich, inwiefern wir ein bestimmtes Item aufmotzen können. Details zu den einzelnen Gegenständen im Inventar werden uns anhand eines Mouseover erläutert. Heißt im Klartext: Viel Text für den auf blutige Abenteuer eingestellten Spieler. Eine kleine Metzelpause zwischendurch ist aber nicht verkehrt, immerhin wollen wir gut ausgestattet zur nächsten „Jagd“ aufbrechen. Entweder erbeuten wir die Gegenstände bei unterschiedlichen Gegnern, finden sie in Kisten oder wir kaufen sie beim NPC Tarkleigh. Dort gibt’s allerlei Ramsch und Schätze gegen Scrolls of Wisdom oder beispielsweise Orbs, die wir mal hier, mal da ausfindig machen. Pets wären eigentlich auch was Feines, obwohl wir sie während der ganzen Metzelei kaum vermisst haben. Allerdings erhalten wir diese im Shop nur gegen Points, die wir wiederum mit Echtgeld kaufen. Dafür bringen beispielsweise die Frösche, Skorpione und die putzige pechschwarze Mieze lediglich kosmetische Effekte mit sich. Der Path of Exile Shop ist darüber hinaus mit Tanzanimationen, Skill- und Item-Effekten versehen – wer beispielsweise mit seinem Charakter blutige Fußspuren hinterlassen möchte, findet im Shop allerlei verschiedene Fußabdrücke, aber auch fürs Haupt wird vieles geboten. Sehr schön, denn an den kosmetischen Angeboten wird sich kaum ein Gratis-Spieler stören.

Pro
schicke Grafik
abwechslungsreiche Maps
viele unterschiedliche Gegner-Arten, herausfordernde Mini-Bosse - Spannung pur!
Soundeffekte und Musik passen ideal
Contra
keine überraschenden Quests
übergreifender Spieleinstieg für Anfänger sehr mühsam
verschwindende Gegner
äußeres Erscheinungsbild nur durch Items individualisierbar

0/5 Sterne

Fazit: Eine gelungene Diablo-Alternative

Path of Exile ist ein feiner Hack’n’Slay-Leckerbissen, der nach mehr schreit. Einzig und allein Anfänger, die sich erstmals an ein Spiel dieses Genres wagen, werden womöglich an den passiven und aktiven Skills und anderen Features zu knabbern haben. Ist diese Hürde aber gemeistert, bekommen auch blutige Anfänger ein großes Stück des Path of Exile Kuchens mit den Zutaten Spaß, Action, Spannung, Atmosphäre und – für Liebhaber von Gammelfleisch – Zombies (und anderen mythischen Kreaturen). In den einigen Stunden, die wir in Path of Exile verbracht haben, sind wir auf keinerlei Free-to-Play-Grenzen gestoßen. Alle Gebiete lassen sich erkunden, alle Items finden und Gegner umnieten – ganz ohne Geldeinsatz! Lediglich für das kosmetische Sahnehäubchen müssen wir in die Tasche greifen, aber wer darauf verzichten kann und will, wird weiterhin unglaublich viele actiongeladene Stunden in Path of Exile verbringen können, die so schnell nicht langweilig werden.

Top Online Spiele

Dragonborn
(109)
Throne: Kingdom At War
(21)
Hunter X Hunter
(3)
Dark War - MMORPG
(92)
World of Warships
(244)