Ubisoft

Aus der Landwirtschaft zum Spielekonzern – Ubisofts Erfolgsgeschichte

Wer nach den größten Videospielkonzernen der Welt sucht, findet fast nur Unternehmen amerikanischen oder japanischen Ursprungs. Fast, denn mit um die Milliarde Euro Umsatz (Fiskaljahr 2014) und Dutzenden internen Entwicklerstudios ist das in Frankreich beheimatete Unternehmen Ubisoft einer der größten Entwickler und Publisher für Videospiele weltweit.

Am Anfang war die Zombieapokalypse

Angefangen hat alles mit einem stagnierenden Landwirtschaftsbetrieb in der Bretagne. Nachdem die fünf Guillemot-Brüder, darunter auch Yves, der heute CEO von Ubisoft ist, erfolgreich die Universität besucht hatten, beschlossen sie dem elterlichen Geschäft für Landwirtschaftsgüter neues Leben einzuhauchen. Die jungen Absolventen erweiterten das Angebot der Eltern um allerhand elektronische Geräte, hauptsächlich Audio-CDs und Computer. Videospiele wurden beiläufig in das Sortiment aufgenommen, da sie über die vorhandenen Versorgungswege leicht zu beschaffen waren. 1984 gründeten die Franzosen einen Versandhandel für Games und beschlossen zwei Jahre später schließlich, eigene Software zu entwickeln. Noch im selben Jahr brachte Ubisoft das erste eigene Spiel namens Zombi auf den Markt.

In dem von Romeros legendärem Horrorfilm „Dawn of the Dead“ inspirierten Action-Adventure muss sich der Spieler einer Horde Untoter in einem Einkaufszentrum erwehren. Darauf folgten kleinere Titel von externen Entwicklern, darunter Jimmy Connors Pro Tennis und Bomberman, bis 1995 mit Rayman der endgültige internationale Durchbruch gelang.

Ein Held ohne Gliedmaßen als Maskottchen

Der ikonische, arm- und beinlose Held des Jump and Runs gab der Serie ihren Namen und gilt seitdem als Maskottchen des Videospieleverlags. Bis heute sind neben vielen Spin-offs vier Hauptspiele mit Rayman erschienen, zuletzt Rayman Fiesta Run. Obwohl dreidimensionale Spiele den Markt bereits eroberten, entschied sich Michel Ancel, der kreative Kopf hinter dem bunten Abenteuer, für eine 2D-Umsetzung seines Projekts. Dass das Spiel trotz dieser Widrigkeit und trotz starker Konkurrenz ein Erfolg wurde, wird oft mit dem gewählten Zeitpunkt des Release in Verbindung gebracht. Die Leitung des Unternehmens entschied, einen Tag nahe der Veröffentlichung von Sonys PlayStation zu wählen. Dadurch wurde Rayman ein inoffizieller Starttitel für die erfolgreiche Konsole der Japaner. Raymans Markenzeichen, die fehlenden Arme und Beine, waren eigentlich nur eine Notlösung, denn die Entwickler wollten trotz mangelnder Prozessorleistung flüssige Animationen gewährleisten. Doch das Franchise mit Wiedererkennungswert führte zu durchschlagendem Erfolg: Allein die ersten drei Teile verkauften sich insgesamt 20 Millionen Mal.

Eine beinahe feindliche Übernahme durch Electronic Arts?

Der erste Hit der Firmengeschichte war der letzte Schub in der Entscheidung, an die Börse zu gehen. Die Guillemots erhofften sich dadurch mehr Kapital für zukünftige Projekte und sollten nicht enttäuscht werden: Das Interesse an Ubisoft-Aktien war zu Beginn 256 Mal höher als das Angebot. Dieser Börsengang wäre dem französischen Familienbetrieb acht Jahre später jedoch fast zum Verhängnis geworden: Der Konkurrent und zu diesem Zeitpunkt weltweit größte Publisher Electronic Arts erwarb 2004 knapp 20 Prozent der Ubisoft-Anteile. Auch wenn EA eine solche Absicht hinter dieser Transaktion nie bestätigte, teilte Yves Guillemot der Öffentlichkeit über eine Presseerklärung mit, dass die Firmenleitung Ubisofts diesen Schritt als Versuch einer feindlichen Übernahme verstehe. Trotz großer Aufmerksamkeit seitens der Medien blieb die Aktion jedoch ohne größere Folgen, EA verkaufte 2010 die letzten Anteile am französischen Unternehmen. Ubisoft unterhielt zu Beginn des neuen Jahrtausends auf dem ganzen Globus interne Entwickler und erwarb unabhängige Studios, die im Laufe der nächsten Jahre viele erfolgreiche Spiele produzieren sollten. Die wichtigsten Veröffentlichungen dieser Zeit waren Strategieklassiker wie Die Siedler - Das Erbe der Könige, die Tom-Clancy-Reihen „Ghost Recon“, „Rainbow Six“ und „Splinter Cell“ und der First-Person-Shooter Far Cry. Viele der entwickelten Ubisoft-Spiele dieser Zeit waren Sequels zu Games, deren Lizenz mit der Übernahme von kleineren Studios wie Blue Byte oder Red Storm Entertainment erworben wurden.

Die bekanntesten Marken von Ubisoft:

  • Assassin’s Creed
  • Rayman
  • Might & Magic
  • Tom-Clancy-Franchise
  • Anno-Reihe & Die-Siedler-Reihe

Mit der siebten Konsolengeneration – allen voran durch Nintendos Wii – hielt das sogenannte Casual Gaming Einzug in die Videospielbranche. Das Medium war endgültig im Mainstream angekommen und Ubisoft konzentrierte sich wie andere große Hersteller auf eingängige Spiele für die ganze Familie. Rayman Raving Rabbits war zum Beispiel ein Spin-off der erfolgreichen Reihe mit dem Firmenmaskottchen, in dem die eigentliche Hauptfigur in den Hintergrund trat und notorische Häschen in den Fokus rückten. Die Minispiel-Sammlung war auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten und erschien exklusiv auf der bewegungsgesteuerten Wii. Der nächste große Erfolg, der der bis dato größte der Firmengeschichte werden sollte, stellte sich jedoch erst mit dem Start eines neuen Lizenztitels ein. Einer, der sich an ein deutlich älteres Publikum richtete. Das 2007 erschienene Assassin’s Creed ist ein atmosphärisches Action-Adventure rund um den Assassinen Altair, der zur Zeit der Kreuzzüge Jagd auf Tempelritter macht.

Assassin’s Creed als Ubisofts bislang größter Erfolg

Das Game wurde damals in den USA zum am schnellsten verkauften Videospiel aller Zeiten und ging weltweit in den ersten vier Wochen 2,5 Millionen Mal über die Ladentheke. Bis Anfang 2013 wurden 8 Millionen Kopien des Spiels verkauft, zusammen konnten alle Spiele des Franchise 31 Millionen Mal verkauft werden. Im April 2012 verklagte der Autor John L. Beiswenger Ubisoft wegen angeblichen Diebstahls seines geistigen Eigentums und dessen Missbrauch in der Assassin’s-Creed-Reihe. Die Entwickler hätten Story-Elemente aus seinem Buch „Link“ widerrechtlich in die Geschichte der Spiele eingebaut. Nach einem halben Jahr zog der Amerikaner die Klage jedoch zurück. Parallel zum Release der Fortsetzung von Assassin's Creed führte das Unternehmen seine Onlineplattform "Uplay" ein, über die Spieler von Ubisoft Games sich austauschen und exklusive Inhalte wie spezielle Spielauszeichnungen freischalten können. Mit der Veröffentlichung des free-to-play Titels „Might and Magic Heroes Kingdoms“ erschien 2010 zudem das erste Onlinegame des Publishers. Eineinhalb Jahre später ging der ebenfalls kostenlos spielbare Browsergame-Ableger der bekannten Strategiespielreihe "Die Siedler" von Ubisoft-Spielestudio Blue Byte online. Die beiden Games legten den Grundstein für die zukünftige Ausrichtung Ubisofts, denn wie CEO Yves Guillemot öffentlich kundtat, soll das Free-to-Play-Konzept zukünftig in den Fokus der Entwicklung rücken. Aus einfachem Grund:

„Am Computer geben nur rund fünf bis sieben Prozent der Spieler Geld für free-to-play[-Titel] aus, aber normalerweise zahlen am PC eh nur fünf bis sieben Prozent überhaupt für Spiele. Der Rest ist Piraterie.“ (Yves Guillemot, CEO Ubisoft (2012 auf der gamescom))

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