Forge of Empires Test: Der lange Weg Richtung Zukunft

Spätestens seit dem weltweiten Siegeszug der "Age of Empires"-Reihe haben sich Strategiespiele, in denen wir uns von einem Zeitalter der Menschheitsgeschichte ins nächste vorarbeiten, eine kleine aber nicht mehr wegzudenkende Ecke im Regal vieler Gamer erobert. Eines der derzeit erfolgreichsten Browsergames dieses Genres ist Forge of Empires von InnoGames. Über fünf Millionen Spieler haben sich bislang für den Titel des Hamburger Spieleanbieters registriert und eine Karriere als Anführer einer Steinzeitsiedlung begonnen. Forge of Empires endet aktuell in der Kolonialzeit, mit dem Industriezeitalter soll die Reise durch die Geschichte aber im laufenden Jahr weitergehen. Auch bei uns in der Redaktion ist der ein oder andere seit Monaten im Spiel unterwegs und kämpft sich durch die Jahrhunderte. Derzeit ist Forge of Empires noch in der Open Beta, einer frei zugänglichen Testphase. Nach wie vor treffen wir auch auf kleinere Grafik- und Textfehler, die das Spielgeschehen aber nicht beeinflussen. In den vergangenen Monaten ist viel passiert in Sachen Neuerungen, Grund genug, sich das Spiel einmal genauer anzusehen. Dabei sind wir den Fragen nachgegangen: Wie holprig ist der Ritt durch die Zeitalter? Werden wir von Jahrhundert zu Jahrhundert gepeitscht oder schlafen wir eher ein, auf dem Weg Richtung Zukunft? Wie umfangreich ist der Titel eigentlich, schließlich hat sich InnoGames nach eigenen Angaben viel vorgenommen mit Forge of Empires. Und nicht zuletzt, an wen richtet sich die Zeitreise eigentlich? Virtuelle Kriegsstrategen oder doch eher friedliche Händler und Wirtschaftsoptimierer?

Leichter Einstieg in ein komplexes Spiel

Los geht’s, wir rocken die Steinzeit! Also, was liegt an? Mammuts jagen, Feuer in Höhlen machen oder Beeren sammeln? Nichts dergleichen. Hütten dienen uns als simple Wohnstätten. In der Jagdhütte können wir Pfeilspitzen und Knochendolche herstellen. Noch ehe wir uns richtig umgesehen haben, sind wir schon in der Bronzezeit angekommen. Nun gut, erwarten uns also höhere Aufgaben in einem neuen strahlenden Zeitalter. Ein Blick ins Forschungsmenü verrät, was uns demnächst beschäftigen wird: Die Kunst des Schmiedens und des Brauens erlernen wir ebenso wie das Reiten und den Bau erster Belagerungswaffen. Mit Hilfe von Ragu Silvertongue, unserem ersten Questgeber, machen wir uns in der Bronzezeit mit den elementaren Spielfunktionen vertraut. Der Opa mit den buschigen Augenbrauen entpuppt sich als praktischer Ratgeber, der gemeinsam mit den anderen Tutorial-Figuren keine Fragen offen lässt. Jeder mit etwas Erfahrung aus anderen Online-Strategiespielen findet sich aber auch ohne Einweisung schnell zurecht. Gold, Werkzeuge und neue Bewohner werden gebraucht, um weitere Gebäude zu errichten. Eine zufriedene Bevölkerung ist wichtig für eine florierende Wirtschaft. Dekorationen in unserer Siedlung dienen genau diesem Zweck und zaubern ein Lächeln auf die Gesichter unserer Untergebenen. Benachbarte Sektoren können erkundet und erobert werden, um Zugang zu seltenen Gütern und Ressourcen zu erhalten. Das Anfangsszenario ist intuitiv aufgebaut und ermöglicht einen bequemen Einstieg. Zuerst komplex anmutende Features werden Stück für Stück erklärt.

Die Silberzunge hilft beim Einstieg mit satten Belohnungen.

Mit Blick fürs Detail

Auf Dauer erfolgreich können wir als Anführer nur sein, wenn wir uns um Details genauso kümmern wie ums große Ganze. Da der Platz, auf dem sich unsere Siedlung ausbreiten kann, begrenzt ist und eigentlich nie ausreicht, ist eine ausgewogene Balance zwischen Wohnhäusern (Goldeinnahmen durch Steuern), Produktionsstätten (Werkzeuge und Luxusgüter) sowie Dekorationen und kulturellen Einrichtungen (Zufriedenheit) wichtig. Mehr Fläche und modernere Gebäude erhalten wir im Spielverlauf durch unsere Forschungsarbeit. Neue Bauwerke sind in der Regel effizienter, also modernisiert sich das Stadtbild durch Abriss und Neubau nach und nach auf natürliche Weise. Es lohnt sich auch, Zeit in eine platzsparende Anordnung der Gebäude zu investieren oder sich vorher zu überlegen, welche Technologien wir als Nächstes erforschen sollten, um möglichst schnell zum gewünschten Produktionsgebäude oder der Waffengattung unserer Wahl zu gelangen.

Das Forge of Empires Forschungssystem:
Wer schon einmal einen Civilisation-Teil gespielt hat, wird sich gleich wie zu Hause fühlen. Die gesamte Entwicklung durch die Epochen läuft über eine verzweigte Baumstruktur von links nach rechts ab. Einzelne Technologien bauen aufeinander auf und müssen nacheinander erforscht werden. Davon abhängig, welche Pfade wir einschlagen, können wir uns beispielsweise schneller Richtung neues Zeitalter bewegen, indem wir einzelne Forschungen vorziehen oder weglassen. Oder wir schreiten zunächst langsamer voran und nehmen alle technologischen und kulturellen Errungenschaften auf unserem Weg mit. Modernere Forschungen benötigen auch mehr Ressourcen, wir sind also gezwungen, hauszuhalten und abzuwägen, was für unsere aktuelle Entwicklung am besten ist. Neben sogenannten Forge-Punkten sind Gold, Werkzeuge später auch Luxusgüter nötig, um die erforschten Technologien dann auch wirklich nutzen zu können.

Mensch, dauert das alles lange …

Nach einem ersten Überblick fällt auf: Ein Imperium entsteht nicht von heute auf morgen. Unsere Reise durch die Epochen der Menschheitsgeschichte ist eine, die sich über Monate erstreckt und nicht nur Tage. Wer’s schneller will, sollte Premium einsetzen oder sich woanders umsehen. Natürlich spielt Aktivität eine große Rolle, denn wer öfter nach seinem Dorf sieht, stellt auch mehr her. Gerade zu Beginn läuft unsere Produktion schleppend an, da wir den Bedarf unterschätzt haben, den unsere Einwohner für eine schnelle Entwicklung benötigen. Wir kommen mit dem Vorräte anlegen und Werkzeuge herstellen gar nicht hinterher, so groß ist der Materialhunger.

Immer schön Vorräte einsammeln und die eigene Kasse füllen, sonst ist schnell Schicht im Schacht. Über die Nachbarleiste am unteren Bildschirmrand können wir mit anderen Spielern interagieren.

Hilfreich in diesem Zusammenhang ist auch die Interaktion mit anderen Spielern. Von Anfang haben wir die Möglichkeit, andere Stammeshäuptlinge zu besuchen und sie zu unterstützen. Anders als in anderen Online-Strategiespielen wie beispielsweise Travian oder Grepolis befinden wir uns in Forge of Empires nicht alle gemeinsam auf einer großen Weltkarte, sondern agieren ähnlich wie in Die Siedler Online über eine Leiste am unteren Bildschirmrand mit unseren Nachbarn. Diese Nachbarn werden uns vom System je nach Spielfortschritt zugeordnet, wir treffen also in der Regel auf Leute unseres Levels. Eigene Leisten für Freunde und Gildenmitglieder helfen uns aber auch dabei, den Kontakt zu anderen Spielern zu halten und zu intensivieren. Einmal in der Nachbarsiedlung angekommen, können wir Arbeiter dort motivieren oder Dekorationen "polieren", um die Produktion zu fördern und nebenbei ein paar Goldmünzen abzustauben. Vielleicht finden wir auf diese Weise sogar eine der seltenen Blaupausen für legendäre Bauwerke. Doch dazu später mehr. Mit entsprechender Streitmacht in der Hinterhand ist auch ein Angriff auf unsere Mitspieler zu empfehlen. Schließlich lassen sich nach erfolgreicher Schlacht neben Vorräten auch seltene Rohstoffe plündern. Was uns zu den Kämpfen in Forge of Empires bringt, einem eher enttäuschenden Kapitel.

Der Schrecken des Krieges

Grob lassen sich Auseinandersetzungen in zwei Kategorien einteilen. Einerseits kämpfen wir auf einem Kontinent in einer Art Einzelspieler-Kampagne um neue Ländereien, andererseits führen wir Angriffs- und Verteidigungsschlachten gegen andere Spieler.

Da wir derzeit weder Farbe noch Holz besitzen und keine Diamanten einsetzen wollen, bleibt uns nur der Krieg.

Klarer Pluspunkt: Wir müssen nicht kämpfen, wenn auch Eroberungsfeldzüge gerade am Anfang unser Vorankommen beschleunigen. Um auf dem Kontinent an neue Gebiete und ihre wertvollen Güter zu gelangen, können wir zum Beispiel auch mit dem aktuellen Besitzer verhandeln. Geben wir dem Anführer die Luxusgüter, die er haben will, ersparen wir uns langwierige Auseinandersetzungen um die einzelnen Sektoren. Dazu müssen wir aber erst einmal im Besitz dieser seltenen Waren sein. (Holz, Stein und Marmor lassen sich nach Belieben herstellen, sobald wir uns die entsprechende Technologie dazu angeeignet haben und ausreichend Rohstoffe auf Halde liegen.) Andere Spieleentwickler verzichten vollkommen auf ein Kampfsystem, liefern lediglich Berichte am Ende eines Gefechts und setzen den Fokus in ihren Spielen auf einen anderen Aspekt wie Produktionsketten oder Handel. Wenn‘s nun aber ein Kampfsystem gibt, sollte es auch was hermachen. Und da versagt Forge of Empires ziemlich.

Boni wie höhere Verteidigungswerte durch Gelände oder Fernangriffe sind entscheidend für den Ausgang einer Schlacht.

Im Vergleich zur sonst schicken und detailreichen Optik wird uns in Kampfsituationen eine Grafik zugemutet, die erschreckend und abstoßend zugleich ist. Beim ersten Anblick haben wir uns die Augen gerieben und losgeprustet: "Wer hat das verbrochen?" Gedanken schossen uns durch den Kopf. Ist das noch das gleiche Spiel? Was hat sich InnoGames dabei nur gedacht, ein rundenbasiertes Pixelmonster aus den 80ern heraufzubeschwören? Hat das Entwicklerbudget nicht mehr gereicht? Himmelherrgott, warum?

Nach ein paar Runden haben wir uns wieder beruhigt. Auch wenn’s schwerfällt, klammern wir die grottige Grafik mal aus. Dann ist dem Kampfsystem sogar noch etwas abzugewinnen. Die Gefechte sind nämlich mehr als nur ein simpler Schlagabtausch. Entscheidend für den Sieg sind die jeweiligen Eigenschaften jedes Einheitentyps und die Beschaffenheit der Umgebung. Speerkämpfer sind beispielsweise stark gegen schnelle Feinde und können gut aus Wäldern heraus verteidigen. Felsschleudern haben eine extreme Reichweite und machen mehr Wumms, wenn sie auf Hügeln platziert werden. Ein genauer Blick auf die Details und eine taktisch clevere Aufstellung lohnen sich extrem. Trotzdem sind die Kampfhandlungen in Forge of Empires insgesamt langsam und unansehnlich. Ein fettes Minus. 

Aber auch wenn wir den Pixelkrieg aus unserer Spielweise verbannen und jegliche Kampfhandlungen zu vermeiden versuchen, ganz und komplett ohne Militär geht’s auch nicht. Die Gefahr, angegriffen und geplündert zu werden, besteht ja nach wie vor. Mit ein paar Vorkehrungen in Sachen Verteidigung lässt sich das Risiko, als Farm für andere zu enden, aber leicht minimieren. 

Imker, Salzhändler und Hanfbauer

Während wir so Stück für Stück in Richtung nächstes Zeitalter (In der Eisenzeit kommen berittene Krieger, yeah!) reisen und an unserer Siedlung rumbasteln, fällt auf, dass die Luxusgüter eine immer wichtigere Rolle spielen. Marmor, Kupfer und Salz sind nicht nur bei Verhandlungen um neue Sektoren hilfreich, sondern auch essentiell für unsere Weiterentwicklung in der Zeitlinie und bei der Errichtung gewaltiger Prachtbauten. Mit dem technologischen Fortschritt erhalten wir immer mehr Möglichkeiten und können uns später auch als Imker, Hanfbauer oder Juwelier versuchen. Bauplatz ist jedoch Mangelware, also müssen wir uns schon für einige wenige Güter entscheiden und uns den Rest auf dem Markt besorgen. Durch unseren Eroberungsfeldzug auf dem Kontinent erhalten wir Zugriff auf einige seltene Ressourcen wie Blumen und Marmorgestein, die unsere Produktion bestimmter Güter beschleunigen und effektiver gestalten. Jeder Spieler findet andere Vorkommen in der eigenen Kampagne vor, dadurch wird der Austausch unter Nachbarn zum wichtigen Zeitvertreib und die Vielfalt auf dem Markt sichergestellt. Praktisch: Organisieren wir uns in einer Gilde, ist der Handel günstiger. Darüber hinaus können wir direkt in der Nachbarschaftsleiste einstellen und ablesen, welche Güter gerade im Überschuss hergestellt werden oder Mangelware sind.

Der Weg zu den Luxusgütern führt meist über den Marktplatz.

Wer hoch hinaus will, sollte sich Stullenpakete mitnehmen

Die wohl größte Herausforderung in Forge of Empires ist aber ohne Frage die Errichtung gewaltiger Weltwunder, legendäre Bauwerke genannt. Dieses Feature ist erst vergleichsweise kurz auf den Live-Servern, beeinflusst aber schon jetzt in herausragendem Maße das Spielgeschehen, da für den Bau von Notre Dame und Kolosseum intensive Zusammenarbeit zwischen den Spielern nötig ist.

Unsere erste Blaupause, juhuu!

Legendäre Bauwerke gibt’s für jedes Zeitalter, wir können also von Anfang an mitmachen. Einmal errichtet, bieten uns diese kulturellen Magneten beeindruckende Vorteile wie erhöhte Zufriedenheitswerte oder regelmäßig Gratis-Ressourcen. Doch bis es erst einmal so weit ist und eines dieser Gebäude unsere Siedlung ziert, müssen viel Schweiß fließen und eine Menge Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden. Oder wir pumpen eine Menge Premium-Währung in den Bau, das wird dann aber richtig teuer. Zweierlei muss sich in unserem Besitz finden, bevor unsere Baumeister den Hammer schwingen dürfen: Blaupausen und Luxusgüter. Jedes Bauwerk braucht eine erhebliche Anzahl unterschiedlicher Waren, billig ist die Sache also nie. Zudem sollten wir Geduld und Ausdauer mitbringen, denn es kann im wahrsten Sinne des Wortes ein ganzes Zeitalter vergehen, ehe wir alle neun Einzelteile des Bauplans in den Händen halten.

Pro
Intuitiver Einstieg
Komplex und vielschichtig
Die Idee mit den Luxusgütern ist klasse!
Zahlreiche Interaktionsmöglichkeiten
Für mehrere Spielertypen geeignet
Contra
Seeeehr lange Entwicklung durch die einzelnen Zeitalter
Grottige Grafik im Kampfmodus
Massig Vorteile durch Premium-Einsatz

4.5/5 Sterne

Fazit: Rom wurde ja auch nicht an einem Tag gebaut

Forge of Empires ist ein überraschend vielschichtiges und trotzdem eingängiges Spiel. Selten haben wir einen so gelungenen Einstieg in eine so komplexe Materie erlebt. Viele Elemente wie der Entwicklungsbaum oder die Produktionssteigerung durch höhere Zufriedenheit sind bewährt und funktionieren einwandfrei. Einige Teile sind sogar innovativ. Es geht nicht nur ums Erobern, doch wer will, kann sich voll und ganz dem Kriegerdasein hingeben. Handel und Interaktion mit anderen sind wichtig, aber ebenso wenig notwendig. Kriegstaktiker, Wirtschaftsmagnaten, Weltwunderbauer oder einfach nur Städteplaner – InnoGames hat es geschafft, ein Browsergame herauszubringen, mit dem viele Spielertypen lange Zeit glücklich sein können. Womit wir gleich beim nächsten Punkt sind: Alles dauert ewig lang. Zu lang. Natürlich wollen wir uns immer weiterentwickeln und nicht nach einer Woche alles gesehen, jede Schlacht erlebt haben. In Forge of Empires übertreibt’s InnoGames aber. Spätestens in der Eisenzeit wird klar, dass selbst kleinere Fortschritte Zeit brauchen. Zum Freischalten modernerer Technologien sind immer neue Luxusgüter von Nöten, die wir meist erst mal aufwändig besorgen müssen. An so gut wie jeder Stelle können wir zwar mit Diamanten nachhelfen, ohne Premium-Einsatz artet Fortschritt und Bau der legendären Gebäude aber zur Geduldsprobe aus. Und: Wäre das Kampfsystem optisch nicht so enttäuschend, würde Forge of Empires auch grafisch ganz oben mitspielen. Schade eigentlich.

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