Might & Magic Duel of Champions Test: Garantiert nix für Casual-Gamer

Ob als Strategie-RPG-Mix auf dem PC, Comic-Adaption für Nintendo DS oder free-to-play Downloadgame fürs iPad – die Fantasy-Welt Ashan erstreckt sich über viele Spiele auf unterschiedlichen Endgeräten. Beispielsweise tüfteln die Anno-Entwickler in Mainz gerade an einem Browsergame im klassischen Heroes-Stil. Mit Might & Magic Duel of Champions probiert Ubisoft hingegen etwas ganz anderes und kombiniert die Hintergrundgeschichte des bekannten Fantasy-Universums mit Spielmechaniken eines Online-Kartenspiels. Im Herbst 2012 ist der Ableger der "Might and Magic"-Serie für  Windows erschienen, seit wenigen Wochen findet ihr Duel of Champions aber auch im App-Store als kostenlos spielbare iOS-Version zum Herunterladen.

Wir haben ein paar Runden mit den virtuellen Sammelkarten gezockt und sind unter anderem der Frage nachgegangen: Können auch Liebhaber der Serie ohne ausgeprägte Karten-Affinität dem Meisterduell etwas abgewinnen? In dieser Beziehung scheint das Genre gewagt, schließlich sind Trading Card Games nicht jedermanns Sache – free-to-play hin oder her. Und andersherum: Ist Duel of Champions auch was für Leute, die Zuflucht nicht automatisch mit Greifen verbinden? Kommt man auch ohne Vorkenntnisse zurecht? Schließlich ist die Geschichte Ashans eher verworren als eingänglich. Oder muss man beides sein: "Might and Magic"-Fan und eingefleischter Kartenspieler?

Heilung, Feuer oder Schwächung?

Auch als M&M-Neuling ist die Lieblingsfraktion schnell ausgemacht. Ein paar einleitende Worte geben einen Überblick zu den Eigenheiten von Zuflucht, Inferno und Nekropolis.

Nachdem wir das Spiel installiert haben, steht unsere erste Entscheidung an. Zuflucht, Inferno oder Nekropolis: Für wen wir in Zukunft streiten bestimmt laut Beschreibung unseren Spielstil. Wer schon einmal in einem "Might & Magic"-Spiel unterwegs war, findet sich schnell zurecht. Während die menschliche Fraktion der Zuflucht (aus dem Englischen "Haven") auf starke Verteidigung und die Kräfte des Lichts baut, stehen für die infernalischen Dämonen vor allem Feuer und Zerstörung im Vordergrund. Untote setzen auf Schwächung des Gegners durch Gift und die Auferweckung eigener Kreaturen. Keine Überraschungen also. Weitere Fraktionen stehen optional im Shop des Spiels zur Verfügung.

Die Einzelspieler-Kampagnen sind ein Muss für jeden, der sich Gold und Premium nicht entgehen lassen will - oder einfach keine Ahnung hat.

Die Greifen geben Starthilfe

So weit, so gut, auf in die Schlacht! Doch wie wird nun gespielt oder worauf kommt es an? Als Frischling ohne Plan geben wir unser erstes Übungsduell nach wenigen Runden frustriert auf. Zu kompliziert, zu undurchsichtig ist das Geschehen. Also ziehen wir doch besser erst einmal im Kampagnenmodus ins Ausbildungslager, bevor wir es mit echten Gegnern aufnehmen. Die ersten Einzelspieler-Missionen sind sozusagen das Schritt-für-Schritt-Tutorial in Might & Magic Duel of Champions. Hier lernen wir, dass wir den gegnerischen Helden seiner Lebenspunkte berauben müssen um zu gewinnen und beschworene Kreaturen auf dem Schlachtfeld genau das für uns bewerkstelligen sollen. Auch elementare Infos zum Duellablauf, Rohstoffkosten und den Zaubermöglichkeiten kennen wir nach circa 20 Minuten. Ein Minuspunkt: Wir kämpfen als menschliche Helden des Lichts, sprich: Unsere eingangs gewählte Fraktion spielt in diesen Einstiegszenarios gar keine Rolle. Warum hab ich überhaupt gewählt, wenn ich mich dann doch erst mit Armbrustschützen und Greifen herumschlage? Etwas mehr Atmosphäre durch fraktionsgebundene Tutorials wären wünschenswert. Zumindest sind jetzt keine großen Fragen mehr offen und wir fühlen uns für unser erstes Multiplayer-Match gewappnet.

Wir haben die Wahl zwischen vier verschiedenen Spielmodi:

  • Duelle: Kampf gegen Online-Spieler ähnlicher Stärke. Mit wachsender Erfahrung erfolgen eine höhere Einstufung und somit mehr Belohnungen.
  • Turniere: Die besten Spieler teilen sich am Ende des Tages den Jackpot, den alle Turnierteilnehmer mit ihren Duellen füllen.
  • Übung: Probeduelle wahlweise gegen den Computer, Freunde oder andere Online-Spieler. Eine Wertung erfolgt nicht.
  • Kampagne: Mehrere Einzelspieler-Missionen gegen den Computer, die nach und nach im Schwierigkeitsgrad steigen.

Aber wie wird nun gespielt?

Es werden Kartenduelle im Rundentakt ausgetragen. Auseinandersetzungen zwischen mehr als zwei Kontrahenten sind nicht vorgesehen. Ziel ist es, die Lebenspunkte des gegnerischen Helden mit Hilfe der eigenen Angreifer auf null zu bringen. Jeder Duellant besitzt dafür einen stetig wachsenden Pool an Aktionspunkten, die Runde für Runde wieder aufgefüllt werden. Mit diesen Punkten vollziehen wir unsere Handlungen, spielen also beispielsweise Kreaturen und Zauber aus. Viele Karten verfügen zudem über weitere Voraussetzungen, die über die Heldenattribute Macht, Magie und Schicksalskraft freigeschaltet werden. Auch die Positionierung auf dem Schlachtfeld spielt eine Rolle, denn wenn beispielsweise keine Einheit zwischen Angreifer und Helden steht, darf der Held direkt attackiert werden. Die meisten ausgespielten Karten haben darüber hinaus besondere Eigenschaften, die entscheidend für den weiteren Schlagabtausch sind. Wir sind dementsprechend zu Beginn viel mit dem Studieren der Texte auf den Karten beschäftigt. Einen zusätzlichen Fernschützen ausspielen, ein Ereignis eintreten lassen oder doch lieber eine weitere Karte ziehen? Wir sind ständig der Herausforderung ausgesetzt, die verfügbaren Möglichkeiten abzuwägen und uns für eine Strategie zu entscheiden. Fehlplanungen, sei es in der Aufstellung unserer Truppen oder das Nichtbeachten einer Kreatureneigenschaft, werden hart bestraft und führen im schlimmsten Fall zur Niederlage.

Kämpfer können nur in der vorderen Linie platziert werden, Schützen in die hintere. Angriffe erfolgen in der Regel nur in einer Linie.

Doch genau darin liegt auch der Reiz des Spiels: Behalten wir alle Optionen im Blick, planen voraus und kombinieren unsere Karten gekonnt, ist das zunächst undurchsichtig wirkende Spielgeschehen schnell entwirrt. Taktik ist wichtig, aber auch das Quäntchen Glück zur passenden Zeit. Die Züge unserer Kontrahenten, insbesondere wenn wir gegen die KI spielen, sind bis zu einem gewissen Punkt vorhersehbar, Überraschungen bleiben aber trotzdem nicht aus, wenn Gegner zum Beispiel plötzlich unbekannte Karten zücken oder mit einer Strategie punkten, die auf die wir bis dato keine Gegenmaßnahme eingeplant hatten. Während unseres Tests fällt die Zuordnung unserer Kontrahenten durchweg positiv aus. Kein Gegenspieler ist übermächtig, es treten nur in etwa gleichstarke Kartenstapel gegeneinander an. Die ersten Multiplayer-Matches verlieren wir trotzdem, weil wir Chancen außer Acht lassen und Fehler begehen.

Ork-Armee, Engel, Untote – oder alles zugleich?

Fünf unterschiedliche Kartentypen sind im Spiel vorhanden: Helden, Kreaturen, Zauber, Schicksals- und Ereigniskarten. Während wir nur einen Held pro Duellstapel ins Rennen schicken, dürfen alle anderen Kartentypen auch mehrmals eingesetzt werden. Von seltenen, einmaligen Karten einmal abgesehen, darf jede Karte insgesamt vier Mal in einem Stapel vorkommen – muss aber nicht. Die Wahl des Heldens bestimmt, welche Zauber wir spielen dürfen und zu welcher Fraktion die Armee gehört. Klaro, Wesen des Lichts lassen sich ungern von Untoten anführen und umgekehrt. Auch mit wie vielen Lebenspunkten wir in jedes Match starten, hängt von unserem Held ab. Ein gut ausbalancierter Kartenstapel nutzt alle Typen und setzt auf Kombinationen und Synergieeffekte. Wer nicht will, braucht sich als Anfänger aber nicht mit dem Zusammenstellen eines eigenen funktionierenden Stapels herumschlagen. Die Karten, die wir zu Beginn bekommen haben, funktionieren fürs Erste gut miteinander und decken mehrere Spielweisen ab. Es kommt vielmehr auf das clevere Nutzen unserer Möglichkeiten an.

Die Bastelei am eigenen Kartenstapel ist dennoch ein elementarer Bestandteil des Spiels. Schon bald kommen nämlich neue Karten hinzu. Auf diese Weise individualisiert sich unser Basisdeck, da wir die Zusammenstellung immer weiter unserer eigenen Spielweise anpassen können. Mit neuen Helden lassen sich auch immer neue Kombinationen und Strategien entwickeln. Es liegt also ganz bei uns, ob wir lieber als Totenbeschwörer, mit Engeln oder als Anführer einer Ork-Armee (oder je nach Held sogar einer Mischung daraus) in die Schlacht ziehen. Die Fraktionswahl am Anfang bezieht sich nur auf den Basissatz an Einstiegskarten.

Premium auch durchs Spielen

Bezahlt wird in Might & Magic Duel of Champions mit Gold und Siegeln. Beides erhalten wir wie in anderen Ubisoft-Onlinegames auch direkt durchs Spielen, jedoch sind Siegel nur in begrenzter Anzahl zu haben, zum Beispiel in der Kampagne oder als Belohnungen für erbrachte Leistungen. Apropos Leistungen: Über ein Errungenschaftensystem erhalten wir Zugriff auf gratis Pakete und ganz besondere Karten. Die Aufgabenstellungen sind dabei unterschiedlich und sprechen ebenso Sammler wie Einzelspieler und PvP-Liebhaber an. Wir können aber natürlich auch Echtgeld investieren, um schneller voranzukommen. Im Shop des Spiels finden wir sowohl Kartenpakete für Gold als auch für Siegel. Wenn wir nur ein paar einfache Karten wollen, sind die Kosten schnell erspielt. Wertvollere Pakete sind dagegen deutlich teurer. Auch Booster für Gelegenheitsspieler sind im Angebot. Die Preise insgesamt sind recht happig, da müssen wir uns schon überlegen, wofür wir unser Erspartes einsetzen wollen.

Unter anderem beim Stufenaufstieg gibt's Premium als Belohnung. Nicht viel, aber immerhin.

Might & Magic Duel of Champions Bewertung

Pro
Beeindruckende Kartenauswahl
Gute Grafik ohne überladene Effekte
Premium erspielbar
Gelungenes Matchmaking
Auf unterschiedlichen Endgeräten spielbar
Contra
Kompliziertes Regelwerk
Wenig intuitiver Einstieg
Teurer Shop

0/5 Sterne

Wertung nach wenigen Stunden Spielzeit:

  • Grafik: 85 von 100
  • Spieleinstieg/Handling: 69 von 100
  • Abwechslung/Spielspaß:83 von 100
  • Sound: 80 von 100
  • Originalität: 72 von 100

Gesamt: 78 von 100

Fazit: Duel of Champions ist kein Mau Mau

Im Vergleich zu vielen anderen Vertretern aus Ubisofts "Might & Magic"-Reihe ist dieses Spiel free-to-play, ein kurzer Blick kann also nicht schaden. Dachte ich zumindest. Ohne große Vorkenntnisse in Sachen Online-Kartenspiele steht für mich nun fest: Duel of Champions ist in keinem Fall leichte Kost. Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mit diesem Exoten unter den "Might & Magic"-Games warm wurde. Das vergleichsweise komplizierte Regelwerk und die vielen miteinander verbundenen Abhängigkeiten wirken zu Beginn eher abschreckend als einsteigerfreundlich. Und selbst mit einiger Erfahrung aus anderen Sammelkartenspielen ist ein Blick in die spielinterne Hilfe empfehlenswert. Ich persönlich hab mich trotz der Tutorialmissionen im Ausbildungslager rücksichtslos ins eisige Wasser geworfen gefühlt, denn die Regeln zu kapieren heißt in diesem Spiel noch lange nicht, auch das Zeug zum Gewinnen zu haben. Der Name ist besser gewählt als eingangs vermutet, denn ich musste während des Tests überraschend viel Lehrgeld zahlen. Umso süßer ist dann aber auch der erste Sieg über einen stärkeren Ranglistenspieler, wenn man den Bogen erst einmal raushat. Das gelungene Matchmaking sorgt dafür, dass ich mich nie über die Karten des Gegners, sondern nur über eigene Fehler geärgert habe. Ein Plus ist in jedem Fall, denselben Account sowohl auf dem PC als auch auf dem iPad nutzen zu können. Eine Partie ist schnell gespielt und nach wenigen Minuten ist das virtuelle Edelmetall für ein paar neue Karten zusammengekratzt. Auch muss ich nicht Heroes 6 durchgespielt haben, um im Duell der Champions gut zu sein. Die Szenerie fällt nicht ins Gewicht, da die Geschichte der Welt Ashan (wenn überhaupt) nur in der Kampagne eine Rolle spielt. Erfahrung aus anderen Online-Kartenspielen kann dagegen aber nur hilfreich sein. In Anbetracht der mittlerweile doch recht zahlreichen Alternativen auf dem Markt richtet sich Duel of Champions trotzdem eher an Fans, die auch Sammelkarten etwas abgewinnen können.

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